AUS DER PRAXIS

Selber denken macht schlau –
Philosophieren mit Kindern als pädagogische Grundhaltung

Materialien für Vortrag auf der Fachtagung der Natur- und Waldkindergärten in Schneverdingen, 11.6.05

In guter Tradition philosophierender Menschen erlaube ich mir, gleich zu Beginn Inhalt und Zielsetzung meines Vortrages in Zweifel zu ziehen (Der Zweifel als Motor des Philosophierens): Wer wünscht eigentlich ernsthaft, dass Kinder und Erwachsene selber zu denken lernen und somit schlau werden?

In den Lehrplänen der 16 Bundesländer und in den Bildungsstandards der KMK jedenfalls habe ich „Denken als didaktische Zielkompetenz“ vergeblich gesucht.

Wir lassen uns dennoch nicht entmutigen (auch eine bewährte Tradition philosophierender Menschen)  und begeben uns auf die Suche nach möglichen Antworten auf drei Fragen:

Was ist Philosophieren?
Wie geht Philosophieren?
Warum Philosophieren?

Beginnen wir mit einer Methode, die keine originär philosophische aber eine erfolgreiche bei dem Versuch ist, philosophische Gespräche zu initiieren: Das „Blitzlicht“!

Was geht Ihnen durch den Kopf, woran denken Sie, wenn Sie den Begriff „Philosophieren“ hören?

Hebammenprinzip statt Nürnberger Trichter !

Notate und Kommentierung.

Problemstellung: Die Frage „Was ist Philosophieren?“ ist ihrem Charakter nach bereits eine philosophische Frage, die sich nicht per Definition, sondern durch philosophische Reflexion klären lässt.

Versuchen wir es weiter:

Warum regnet es? Warum stellt ein Dreijähriger überhaupt diese Frage?

Das Staunen als Anlass zum Philosophieren, Staunen über die Dinge, so wie sie sind. Auf den Akt des Staunens folgt die Reflexion über den Grund, der vor dem Akt des Staunens liegt, also: Warum regnet es?

Eigener Umgang mit der Frage: Nicht Wasserkreislauf sondern Anwendung des Hebammenprinzips: Was denkst du, warum es regnet? Antwort: Weil die Blumen durstig sind!

Können wir mit dieser Antwort leben, ohne den Wasserkreislauf nach zu reichen?

Das Kind hat eine Sinnfrage, keine Wissensfrage gestellt und sich eine plausible Antwort gegeben.

Es gibt offensichtlich unterschiedliche Kategorien von Fragen.

John Dewey versteht Fragen als eine geistige Suchhandlung, die nicht aus dem Nichts kommen, sondern auf dem Hintergrund denkender Erfahrung entstehen.

Zurück zu dem Dreijährigen: Seine Erfahrungen mit dem Phänomen „Regen“ lassen sich erahnen: Es regnet nicht immer, der Regen fällt von oben nach untern, einmal gerade, manchmal schräg, man wird nass, es entstehen Pfützen, man kann den Regen fühlen, schmecken, er ist warm oder kalt, usw. . Der Junge denkt darüber nach, warum das alles so ist und kommt auf die Frage: Warum regnet es überhaupt, es muss doch einen Sinn haben, dass es von Zeit zu Zeit regnet?

Welche Fragen führen zum Philosophieren? Mit einem akustischen Signal erzeuge ich Aufmerksamkeit und frage: Welche Frage ist euch in diesem Augenblick wichtig, welche geht euch durch den Kopf? Die genannten oder aufgeschriebenen Fragen sortieren wir in  drei Kategorien:

Organisatorische Fragen, die sich sofort beantworten lassen.

Wissensfragen, die sich erst nach Einholen weiterer Informationen(Lexika, Suchmaschinen im Internet oder gar ein wissenschaftliches Studium) beantworten lassen.

Fragen, die sich nicht sofort oder durch Anhäufung von Wissen sondern nur mit Hilfe gründlicher Reflexion, nicht im Sinne von „richtig“ oder „falsch“, plausibel beantworten lassen. Hierbei handelt es sich um philosophische oder Sinnfragen.

PmK als „Fragen, Hinterfragen, Weiterfragen“ oder „Ist das immer so?“, „Ist das bei allen so?“ und „Könnte es vielleicht auch anders sein?“

Bedeutung der Frage zur Erschließung von Welt:

N. Postman, Seite 98 (J. Hering)

Ist der Mensch, ist das Kind auf eine bestimmte Form des Zugangs zur Welt fest gelegt?

Dem Kind stehen wie dem erwachsenen Menschen verschiedene Zugänge zur Welt offen, von denen mindestens drei Schlüssel zur Welt jedem Menschen in die Wiege gelegt worden sind:

Die handelnde Erschließung(Welt- und Sachvergewisserung), die denkende Näherung(Selbstvergewisserung und Standortbestimmung) und das vertrauende Annehmen(Fähigkeit zur Transzendenz) von Welt. Jeder der drei Wege erschließt durch seine eigene Perspektive eine andere Dimension und aktiviert so eine andere Seite des Menschseins.

Nehmen wir wieder das Beispiel des Dreijährigen:

Indem er den Regen sieht, fühlt, schmeckt, seine Folgen beobachtet, mit Regenwasser spielt, etc. erschließt er sich die Welt durch Handeln. Die denkende Näherung geschieht durch Distanz zum Gegenstand und beginnt mit dem Fragewort „Warum“(Anstoß nehmen an den Dingen, so wie sie sind, am Sein des Seienden).

Das vertrauende Annehmen beginnt in dem Augenblick, wo aus der Sinnhaftigkeit einzelner Phänomene auf die Sinnhaftigkeit der Welt geschlossen wird und Grundvertrauen entsteht. Hierfür halten besonders Glaubensrichtungen, Religionen und Kulturen Wege und Antworten bereit.

Welche Zielrichtungen des Denkens sind nun Bestandteil des Philosophierens mit Kindern (Erschließen von Welt durch denkende Näherung)?

„Ich bin nicht, was ich sein sollte, ich bin nicht, was ich sein werde, aber ich bin nicht mehr, was ich war. "

Denken als Haltung, Denken als kognitive Kompetenz und Denken als soziale Kompetenz.

Denken als Haltung: Reflektierendes Denken

Die hiermit gemeinte Kompetenz könnte auch als Tugend der Nachdenklichkeit beschrieben werden. Besonnenheit im Urteilen und Handeln kann nicht durch vereinzelte gelegentliche Denkanstrengungen erreicht werden, sondern nur durch die Gewohnheit steten Reflektierens.

Beim reflektierenden Denken geht es in erster Linie nicht darum, ein  bestimmtes Problem zu lösen. Insofern ist das reflektierende Denken nicht ! ziel- und ergebnisorientiert. Reflektieren heißt vielmehr, eine Sache in Muße und mit Interesse von allen Seiten zu betrachten und unterschiedliche Aspekte denkend zu verbinden. Reflektieren ist nach John Dewey ein ständiger Akt des Überprüfens unserer Gedankenordnung, was letztendlich zu überlegten Urteilen führt.

Denken als kognitive Kompetenz: Kritisch-logisches Denken

Kinder müssen erleben,. dass Denken spannend sein kann. Im Denken bis an die eigenen intellektuellen Grenzen vorzustoßen ist ein Erlebnis, das die intellektuelle Neugier eines jungen Menschen für das ganze Leben entzünden kann. Erwerb und Beherrschung der eigenen "Denkwerkzeuge" ist das erklärte Ziel dieses Denkbereichs.

Denken als soziale Kompetenz: Kooperatives Denken

Es gibt zumindest drei gute Gründe, um das "gemeinsame Nachdenken" im Ethikunterricht zu üben.

  • Zwei kluge Köpfe sind manchmal besser als einer. Häufig kommt man zu zweit und zu dritt auf Lösungen, die einem allein im einsamen Kämmerchen nie eingefallen wären. Glücklich, wer bereits als Kind das "gemeinsame Nachdenken" als möglichen Lösungsweg erfahren und erlernen kann.
  • Der Mensch ist nicht allein auf der Welt und die meisten Probleme harren nicht einer "genialen", sondern einer "gemeinsam getragenen" Lösung. Die "objektiv" beste Lösung ist zum Scheitern verurteilt, wenn sie "subjektiv" von den Betroffenen nicht als "ihre" Lösung akzeptiert wird.
  • Denken ist ein innerer Dialog. Nach Ansicht des Psychologen Wygotsky taucht jede Funktion in der kulturellen Entwicklung des Kindes zweimal auf: zunächst auf sozialer, dann auf individueller Ebene; zunächst zwischen den Menschen (...)' und dann im Inneren des Kindes. Das bedeutet, dass die einzelnen Schritte, aus denen das Nachdenken entsteht, von den Kindern zuerst im Dialog erworben und geübt werden. Erst nach einer gewissen Zeit können Kinder diese Schritte auch ohne Dialogpartner unternehmen: sie können ein Gespräch mit sich selbst führen - d. h. sie denken. Der Aufbau einer Gesprächskultur in der Klasse, das Einüben sozialer Arbeitsformen und die Erfahrung szenischer Interpretationen fördern das kooperative Denken in diesem Sinn.

Wer allerdings die Welt als eine Ansammlung vermeintlicher Fraglosigkeiten betrachtet(alles ist vermessen, gedeutet und erklärt), kommt nicht ins Philosophieren.

Korzybni: Wir leben in zwei Welten: Der Welt der Ereignisse und der Dinge und der Welt der Wörter über die Ereignisse und Dinge. Das bedeutet: Außer über Fragen bieten Dinge, Ereignisse und Texte Anlässe zum Philosophieren. Was ist eigentlich ein Stein? Methode, Unterschiede und Ähnlichkeiten zu erkennen. Was haben so unterschiedliche Gegenstände wie Löffel und Vogel gemeinsam? Methode des nicht – wertenden Vergleichens.  Philosophieren über ein Phänomen!

Philosophieren über ein Ereignis. „Die Großen hauen uns immer!!“ Fragen die unweigerlich einen philosophischen Zugang zu dieser Aussage eröffnen: Ist das immer so? Ist das bei allen so? Könnte es vielleicht auch anders sein? „Warum streiten wir?“ 

Schließlich: „Warum müssen wir alle sterben?“ Philosophieren über eine existentielle Grundfrage.

Kinder sprechen gerne und unbefangen über den Tod. Im Wissen um den Tod wird deutlicher, was Leben ist; dort aber, wo er verdrängt wird, wird auch das Leben aus den Augen verloren.

Wenn wir Erwachsene damit unseren Umgang mit dem Tabuthema "Tod" vergleichen - wieweit haben wir das Leben bereits aus den Augen verloren?

Kinderbücher verbinden Ereignisse, Texte und Bilder: „Die große Frage“ – Zitate. Kinderbuch „Frag mich“ – kurze Zitate. Kinderbuch „Ist 7 viel?“ – kurze Zitate. Kinderbuch „Die Geschichte vom Löwen,der....“ – kurze Zitate.

Blitzlicht: Woran denken Sie, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn sie das Wort „Natur“ hören? Notate. Kommentare.

Erwachsene können Kindern die Natur erklären. Wissen sie aber auch Antwort auf die Frage: Können Blumen glücklich sein? Beispiel für kindliches Denken, das Fragen an uns richtet!

Mit Sicherheit einhundert Prozent der befragten Kindergartenkinder werden die klassische Frage des Philosophierens mit Kindern: Können Blumen glücklich sein? Mit einem uneingeschränkten "ja" beantworten. Sie können dafür Gründe nennen, die aus einem animistisch-anthropomorph geprägten Natur- und Weltbild entspringen. Was ist schlimm daran, wenn Kinder davon ausgehen, dass wohl alle Pflanzen(und auch Tiere) glücklich und im Umkehrschluss also auch unglücklich sein können? Steckt darin nicht der Gedanke, dass Mensch, Pflanze und Tier aus der Natur hervorgegangen sind und Tiere und Pflanzen mit uns naturgeschichtlich verwandt sind? Ist das nicht ein bedeutender Hinweis auf die Feststellung namhafter Philosophen, dass die Welt mehr ist als nur der Lebensraum des Menschen. Jedes Lebewesen hat seinen eigenen Lebensraum und der menschliche Lebensraum ist einer von vielen, weshalb es vielleicht klüger ist, von der Mit- Welt statt von der Um- Welt zu sprechen. Dieser Begriff erinnert eher darin, dass die anderen Lebewesen mit uns in dieser Welt sind, dass sie nicht nur als Lebensmittel für den Menschen existieren, sondern ein Eigenrecht besitzen.

Nehmen wir das Beispiel Meeresverschmutzung: Wenn ich im Meer nicht mehr baden mag, tut es mir nicht nur um Fische und andere Meerestiere leid, sondern um das Meer selber. In ihm liegen die Ursprünge des Lebens, und nicht nur das Hervorgebrachte verdient Achtung, sondern auch das Hervorbringende. Indem wir das Meer verschmutzt haben, haben wir die Achtung, die wir ihm schuldig sind, verletzt. Welche Konsequenzen also hätte kindliches Denken im Hinblick auf unser Verhältnis zur Mit- Welt? Kinder sind Experten auf dem Gebiet des animistischen Denkens, das sie auch auf Bereiche anwenden, in denen sie sich nicht so gut zu Hause sind.

Was also könnte Philosophieren sein? Was nicht? Folien.

Was bringen Kinder für das Philosophieren mit? Staunen, Reflexion über den Grund, der vor dem Akt des Staunens liegt(Fortbildungseinstieg: Runde des Staunens!!).

Sie nehmen Anstoß daran, dass die Welt so ist, wie sie ist(Staunen).

Kinder sind nicht Philosophen(Jaspers), aber sie stellen philosophisch relevante Fragen. Kindliche Naivität ist zwar zuallererst und grundsätzlich diese Haltung des Staunens, wie sie in sogenannten elementaren Fragen zum Ausdruck kommt.

Aber sie auch schon die symbolische Auseinandersetzung mit „Ich“ und „Welt“.

Wie also werden sich Kinder ihrer Verhältnisse zu den Dingen und der Welt bewusst? Meine Antwort auf diese Frage kennen Sie inzwischen!

Können Kinder durch Deuten und Interpretieren sich eine ganze  Welt der Bedeutung herstellen, in der sie zu Hause sind? In welcher Weise haben wir Erwachsenen an dieser kindlichen Welt der Bedeutungen teil?

Kinder befinden sich nicht selten und sehr ernsthaft auf der Suche nach Antworten auf Sinnfragen. Können wir auch an diesem Punkte von ihnen lernen?

Blitzlicht: Woran denken Sie, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie das Wort „Kind“ hören? Notate. Kommentierungen.

Was können Erwachsene für das Philosophieren mit bringen? Zum Beispiel ein anderes als das häufig übliche Bild von Kindern:

Sehen wir Kinder vornehmlich als unfertige, weil noch nicht erwachsene Persönlichkeiten, deren Defizite es systematisch zu beheben gilt?

Das würde Neil Postmans Feststellung begründen, wonach alle Kinder in die Schule als Fragezeichen eintreten und sie als Punkte verlassen.

"Es ist ein philosophisches Problem", behauptet dagegen die Vaterfigur in Bernhard Schlinks Bestseller "Der Vorleser"( Seite 136), " aber die Philosophie  kümmert sich nicht um die Kinder. Sie hat sie der Pädagogik überlassen, wo sie schlecht aufgehoben sind."

Und weiter: "Erinnerst du dich nicht mehr, wie es dich als kleinen Jungen empören konnte, wenn Mama besser wusste als du, was für dich gut war? Schon wieweit man das bei Kindern tun darf, ist ein wirkliches Problem."

Das sieht offenbar Janusz Korczak ähnlich, der die Frage, wem Kinder eigentlich gehören, erörtert.

Begriffe wie Aufzucht, Bildung, Erziehung oder Formen verraten offenbar einen Eigentumsanspruch der Erwachsenen. Verdirbt dieser Anspruch das Verhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen ebenso wie die Erkenntnis darüber, was ein Kind ist?

Im Sinne Korczaks gehören uns Kinder nicht. Wir müssen ihnen Liebe geben, sie wärmen und nähren. Aber besitzen können wir sie nicht.

Ist es nicht eher so, dass wir Erwachsene den Kindern gehören? Denn wenn die Kinder die Welt betreten, gehören sie sich selbst, oder etwa nicht?

Picasso drückt es auf seine Weise aus: „Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, einer zu bleiben.“

Meint er damit die Erfahrung des Malers, der, bevor er sein Bild beginnt, alle Bilder auslöscht, die auf seiner Leinwand existierten, auslöscht, damit er nicht schon Dagewesenes schafft, statt eines neuen Bildes?

Kinder müssen augenscheinlich nicht auslöschen, ihr Anfang kommt einer Auslöschung gleich, sie erschaffen sich ihre Welt neu.

Können wir also von Kindern lernen, vielleicht die Kunst des Lebens?

Das jedoch bedingte, Erziehung zu einem wechselseitigen Prozess werden lassen, nicht nur lehren zu wollen, sondern selbst von der Lebenskunst des Kindes wieder zu lernen.

Zum Beispiel, kindliches Glück verstehen zu lernen, das mehr ist als Zufallsglück oder ein Wohlfühlglück, eher ein umfassendes Glück der Fülle, das noch Gegensätze und Widersprüche in sich integrieren kann(Wilhelm Schmid). Versuchen Kinder nicht ständig, das Schöne zu finden, für das es sich zu leben lohnt?

Kinder sind nicht Objekt von Belehrung, sondern Partnerinnen in einem von gegenseitigem Respekt getragenen Dialog mit Erwachsenen, bei dem es darauf ankommt, ihnen zu zu hören, ihre Fragen Ernst zu nehmen und deren Sinngehalt zu erkennen, sich selbst in Frage zu stellen und nach gemeinsamen Antworten zu suchen. Das bedeutet, die Dinge mit philosophischem Blick zu betrachten und nicht nach zu lassen in dem Bemühen, aus Feiertagsdenkerinnen und -denkern Gewohnheitsdenkerinnen und -denker zu machen - eine anspruchsvolle Zielsetzung für Kinder und Erwachsene gleichermaßen!

Was bringt Philosophieren? Vgl. Thesen.

Kinder lernen rechnen, schreiben und lesen – die drei elementaren Kulturtechniken. Würde es sich nicht für Kinder und Erwachsene gleichermaßen lohnen, das Philosophieren als die vierte wieder einzuführen?

Wozu Philosophieren? Was bringt das Philosophieren den Kindern?

  • Beim Philosophieren geht es um Grundprobleme der menschlichen Existenz, um prinzipielle Fragen wie etwa des Verhältnisses von Mensch, Natur und Technik, um Individuum und Gesellschaft. Kinder können, indem sie derartige Fragen und Probleme erörtern, sich der eigenen Fragen und Gedanken bewusst werden. Sie erfahren somit eine Erziehung zum Verstehen einer sich rasch verändernden Gesellschaft und Welt. In diesem Sinne ist Philosophieren als potentielle Unterstützung bei der Bewältigung grundlegender Fragen in der kindlichen Entwicklung zu sehen.
  • Beim Philosophieren werden Gedanken geklärt, Diskussions- und Argumentationsfähigkeit geübt(klares Ausdrücken, deutliches Formulieren, folgerichtiges, logisches Denken), wird Sprache bewusst, werden Dialogfähigkeit, Meinungs- und Erfahrungsaustausch erlernt. So betrachtet, ist das gemeinsame Philosophieren ein wesentliches Mittel um wechselseitigen Respekt, Offenheit und Toleranz zu fördern.
  • Das mit dem Philosophieren stets verbundene, begriffliche Denken kann helfen, das eigene, selbständige Denken zu schulen und kritisches Denken zu lernen.
  • Da philosophische Reflexionen gemeinsam mit anderen Kindern statt finden, erleben Kinder sehr häufig, dass sie Dinge selbst entdecken, im Austausch mit anderen Fragen aufwerfen und Lösungen bzw. Antworten finden können. So entsteht etwas wie eine „Forschergemeinschaft“.
  • Philosophieren steigert das Selbstwertgefühl der Kinder. Es wird ihnen bewusst, dass ihre Gedanken wertvoll sind. In sog. „Hauptfächern“ schwächere Kinder erfahren, dass sie interessante, bisweilen einzigartige Gedanken produzieren. Deshalb trauen sich auch leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler, beim Philosophieren aktiv mit zu wirken.
  • Philosophieren trägt dazu bei, Fächer übergreifende Zusammenhänge erkennen zu lernen.
  • Philosophieren setzt die Entwicklung einer demokratischen Gesprächskultur voraus und kann auf diesem Wege einen Beitrag zum Aufbau von Demokratieverständnis leisten. Dazu gehören die im philosophischen Diskurs immer wieder praktizierte Kultivierung der Menschenrechte, gegenseitige Respektierung, Tolerierung und Solidarität.
  • Philosophieren über ethische Frage bietet Orientierungshilfe. Anhand von Beispielen lassen sich Handlungsalternativen erwägen und abwägen. Reflexion über das eigene Handeln kann auf diese Weise zur Gewohnheit werden. Philosophieren im ethischen Sinne ist somit der Gegenentwurf zu den verschiedenen Formen der Moralpädagogik.
  • Philosophieren verfolgt das Ziel, zur Achtung vor Gedanken und Leistungen Andersdenkender zu erziehen. Es wirkt der Gefahr dogmatischer Verfestigung und ideologischer Manipulation in Grundfragen des Denkens und Lebens entgegen.
  • Philosophieren erzeugt nicht selten Interesse, Freude und Lust der Kinder an Abenteuern im eigenen Kopf.