KINDER MIT BESONDEREN BEGABUNGEN

"Philosophieren mit Kindern trägt wesentlich zur zuverlässigen, pädagogischen Diagnostik besonderer Begabungen bei Kindern bei. Gleichzeitig bietet das Philosophieren eine spezielle, didaktische Möglichkeit, besondere Begabungen und besonders begabte Kinder zu fördern.
Beim Philosophieren geht es nicht um Wissens- oder Stoffvermittlung, sondern um das Ziel, Phantasie und Mut zu eigenen Ideen zu fördern und im kreativen Umgang mit Wissen eine Sache zu erhellen bzw. in sinnvolles Handeln umzusetzen.
Ein Unterricht, der Themen in philosophischer Weise angeht und der Elemente des Zweifelns, der Verunsicherung, der Neugier, der Selbst- und Weltdeutung enthält, setzt einen wertvolleren Lernprozess in Gang.
Dadurch wird die Fähigkeit zum selbstständigen und logischen Denken gefördert. Durch das In – Gang – Setzen von Gesprächen, in denen eigene Vorstellungen vorgetragen und im Vergleich mit den Vorstellungen der Gesprächspartnerinnen weiter entwickelt werden, erfolgt eine Steigerung der Qualität der Argumentation sowie eine Förderung der moralischen Entwicklung. Voraussetzung sind dafür allerdings offene Fragen und Probleme, die zum gemeinsamen Nachdenken herausfordern und nicht durch unstrittige, eindeutige Fakten beantwortet werden können."

aus:
HomoSuperSapiens
Ein Projekt des Staatsinstituts für Schulpädagogik und Bildungsforschung München und der BMW Group


Persönlichkeitsmerkmale bei
besonders begabten Menschen

  • Beschleunigte, geistige Entwicklung und außergewöhnliche Denkfähigkeiten
  • Großer Einfallsreichtum
  • Weit gespannte Interessen und außergewöhnliche Beharrlichkeit beim Verfolgen interessanter Probleme
  • Erstaunlich umfangreicher und differenzierter Wortschatz
  • Beeindruckende, „frühreife“ Interessen und Leistungen auf Spezialgebieten
  • Gesteigerter Bedarf an Komplexität
  • Sinn für hintergründige(n) Humor, Witz und Ironie
  • Schier unstillbarer Wissens- und Erkenntnishunger
  • Beinahe totale Hingabe an intellektuelle Herausforderungen
  • Frühe Selbstständigkeit des Denkens und eine gesteigerte, geistige Erlebnisfähigkeit
  • Besondere Anfälligkeit für Stress bei Unterforderung

Das Verhalten dieser Kinder und Jugendlichen wirkt auf andere oft unkonventionell, eigensinnig, frühreif, woraus sich soziale Probleme ergeben können, aber nicht müssen.

Das „Drei – Ringe – Modell“ Renzullis
Renzulli betrachtet einen hohen IQ nur als eine von mehreren Bedingungen für herausragende Leistungen.

Nach seinem „Drei-Ringe-Modell“ basiert Hochbegabung auf einer spezifischen Interaktion der folgenden drei gleichberechtigten Fähigkeitskomponenten, die sich bildlich als Schnittmenge jeweils überdurchschnittlicher Ausprägungsgrade der Komponenten symbolisieren lässt:

  • Deutlich überdurchschnittliche Begabung im Sinne eines weiten Spektrums an allgemeinen und kognitiven Persönlichkeitsmerkmalen. Als Informationsquellen dienen nicht allein Schulleistungen und Tests, sondern auch informelle Einschätzungen von Eltern, Lehrkräften, oder „Peers“ in Bezug auf spezielle Arbeitsergebnisse, die kognitive Fähigkeiten wie etwa „Lernstrategien entwickeln“, „sprachliche Gewandtheit“, „kommunikatives Wissen“ oder „Unterscheidung von wichtigen und unwichtigen Informationen“ indizieren.
  • Aufgabenmotivation im Sinne von Anlegen hoher Maßstäbe für die eigene Arbeit und Auszeichnung durch hohes Interessenniveau und hohe Leistungsmotivation, d. h., durch die Fähigkeit, sich über einen längeren Zeitraum mit Ausdauer, Begeisterung und Entschlossenheit einer Aufgabe zu widmen.
  • Kreativität im Sinne von besonderer Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Aufgabenstellungen, von originellen und flexiblen Denkschemata bei der Aufgabenlösung, von Sensibilität für Details, für ästhetische Eigenschaften, usw.